Zeit, die letzten Tage zu rekapitulieren! Ich sitze gerade in meinem Zimmer im schönen Joliette http://www.ville.joliette.qc.ca/ - "schön" gleich im zweifachen Sinne, denn die Woche über ist und wird es draußen sommerliche 30 Grad warm sein (ein skype-Telefonat mit Muttern hat ergeben, dass in Deutschlands Süden gerade erfrischende 8 Grad herrschen ;-)).
Angekommen in Joliette bin ich am Freitag, den 27.08.10, gegen 17 Uhr nachmittags, zusammen mit Angélica, einer der mexikanischen Sprachassistentinnen. Joliette liegt in einer der 17 Verwaltungsregionen Kanadas, im québecischen Lanaudière und ist eine von insgesamt sechs zu Lanaudière gehörenden regionalen Grafschaftsgemeinden. Der Name der Stadt geht übrigens auf den Notar Barthélemy Joliette zurück: http://www.ville.joliette.qc.ca/histoire.html.
Die drei Tage zuvor habe ich mit rund 60 anderen Sprachassistenten und -assistentinnen aus Mexico, Irland, GB, Frankreich und Deutschland im "Quality Hotel Dorval" in der Nähe des Pierre Elliott Trudeau Flughafens Montréal (benannt nach dem liberalen kanadischen Premierminister (1986 - 1984) Pierre Trudeau (1919 - 2000)) verbracht. Die Einführungstagung wurde von einem der Träger des Fremdsprachenassistenten - Programmes, dem MELS (Ministère de l'Éducation, du Loisir et du Sport - http://www.mels.gouv.qc.ca/ ) organisiert.
Nach meinem einstündigen Flug von Toronto nach Montréal musste ich erstmal eine halbe Ewigkeit auf den Shuttlebus warten, der mich wie am Telefon verabredet zum Hotel bringen sollte. Noch während ich mich darüber ärgern wollte, dass ich bestimmt als einzige zu dem auf 18 Uhr angesetzten Abendessen mit allen Assistenten ankommen würde, tauchten mehrere eben so schwer wie ich bepackte junge Gesichter an der Haltestelle auf - et voilà, andere Deutschassistenten! Gemeinsam fuhren wir schließlich ins Hotel und bezogen unsere komfortablen Zweibett-Suiten.
Auf uns wartete ein leckeres Abendessen sowie ein paar "brise-glace" (dt. "Eisbrechen") - Kennenlernspiele, um einander ein wenig "beschnuppern" zu können. Uns wurde frei gestellt, trotz vereinzelter Jet-Lag-Symptome und/ oder genereller Müdigkeit noch gemeinsam mit den "Moderatoren" der Veranstaltung - Nina (Deutsche und in Québec lebend) und Andy (Engländer und in Québec lebend) in das nächsgelegene "Centre de quilles" (frz. quille (f). - der Kegel) zu gehen um dort zu bowlen. Ich bin noch mitgegangen und habe wohl den schlechtesten Score von allen eingeheimst - aber auch das war lustig ;-).
In den nächsten Tage wurden wir mit Infos und Geschenken überschüttet - ein Pullover, eine Trinkflasche sowie eine Tasche mit der Aufschrift "Assistants de langue, Québec 2010-2011" sowie Hefte mit Unterrichtsentwürfen unserer Vorgänger als auch ein anderes mit allerhand Tipps zum Leben im Québec (Bankkonto eröffnen, Mietauto leihen, etc.), dazu noch Broschüren über kulturelle Veranstaltungen im Québec, Ideen zur Freizeitgestaltung, ...
An einem Abend waren wir in Montréal in einem Pub und konnten dort durch Ansteck-Buttons billiger Getränke bekommen. Ich habe mir mit Sou (einer der niedlichsten Französinnen die ich jemals gesehen habe, sie kommt aus Metz) einen großen "Salada grecque" geteilt. Am letzten Tag gab es für die Deutschen noch einen vom Goethe-Institut Montréal organisierten Workshop und mittags kamen bereits unsere résponsables - die für uns zuständigen Betreuungslehrer. Marilène, meine résponsable, war leider zeitlich verhindert, vertreten wurde sie von ihrer Kollegin Jocelyne.
Jocelyne ist eine sehr dynamsiche und junggebliebene Mitsechzigerin, mit der Angélica und ich uns sehr locker und humorvoll unterhalten konnten. Auf der Fahrt nach Joliette wussten wir noch nicht, dass der Freitag Jocelynes 59. Geburtstag war - später sollte sie uns noch nach Hause zu sich einladen und dort mit einer Runde Sekt ihren Ehrentag feiern.
Wir werden uns sowohl als gesamte Fremdsprachenassistenten - Gruppe als auch nur die deutschen Assistenten für sich während der Programmlaufzeit mehrere Male treffen, mindestens zwei bis drei Mal wenigstens. Zum einen um gemeinsam Québec zu erkunden, sich wiedersehen und auszutauschen, zum anderen auch um das ganze Programm aber auch sich selbst als "Lehrkraft" zu bewerten.
Beispielsweise sind für Anfang und Ende Oktober bereits Veranstaltungen angekündigt. Voraussichtlich am ersten Oktoberwochenende werden wir nach Tadoussac, einer kleinen Ortschaft an der Mündung des Saguenay-Fiords, fahren um dort Wahle zu beobachten, Kanu zu fahren und/ oder zu raften und Ponys auf einer Farm zu gucken ;-). Und am letzten Oktoberwochenende wird in Montréal ein "Evaluations"-Treffen stattfinden, wo wir uns über unsere ersten Eindrücke und evenutelle Probleme sowie Unterrichts-Tipps austauschen können. Das MELS arbeitet wirklich hervorragend mit dem PAD zusammen, ich bin bisher sehr beeindruckt.
Angekommen in Joliette habe ich erst mal meinen schrankartigen Koffer in meiner neuen Behausung geparkt und auch gleich Francosie, meine Vermieterin getroffen, die sehr freundlich und mütterlich ist. Sie hatte für die gesamte WG den Vorratsschrank schon ein wenig gefüllt - fürs Frühstück standen dort Mini- Croissants, Pains au Chocolat, Konfitüre und Brot sowie Kakao und Tee bereit. Sie meinte, sie habe selbst zwei Kinder die auf ihren Reisen im Ausland in allen möglichen Absteigen unterkommen mussten - das ist auch ein Grund warum sie es uns in der Rue Notre Dame gemütlich machen wollte, wenn wir ankommen. Trop gentil! Ich wohne mit zwei Mexikanerinnen (Karla und Lucie), einem Engländer (Ed) und einer Engländerin (Catie) zusammen - tous très sympas!:)
Am Freitag ging es dann mit Angélica weiter zum Cégep, wo die hinreißende Marilène bereits auf mich wartete. Ich mochte Marilène auf Anhieb und in den nächsten Tagen sollte sich dieser erste spontane Eindruck nur noch verstärken. Angélica hat die ersten paar Tage bei Marilène gewohnt bevor sie nun eine Wohnung in Joliette gefunden hat. Wir beide und letztlich auch meine Mitbewohnerinnen wurden von Marilène zum Essen eingeladen, qir haben zusammen gelacht, uns toll unterhalten, waren einkaufen... nach diesem Wochenende fühle ich mich so, als würde ich Marilène schon seit Jahrzehnten kennen.
Hier geht gerade die Mais-Saison (québécois: blé d'Inde) zu Ende, wovon meine Mitbewohnerinnen sowie Marilène und ich profitiert haben um noch ein paar letzte köstlich süßlich schmeckende Maiskolben zu verspeisen. Und dies im Rahmen einer soirée entre filles (Mädelsabend), inklusive mexikanischer Musik, sowohl dank youtube als auch "life" mit Karlas Engels-Stimme und ihrem Gitarren-Spiel, Cumbia- Tanz(versuchen) [http://de.wikipedia.org/wiki/Cumbia]und mexikanischem Essen (Mais à la Limmette'n Salz sowie Tortilla gefüllt mit einer Mischung aus Hackfleisch und Gemüse). Meine und Marilènes erste Cumbia - Schritte sowie die engelhaft Gitarre-spielende und singende Karla sind auf Videomaterial festgehalten - trop cool! :D
Als Nachtisch gab es roten Wackelpudding mit Mini-Physalis (cerises de terre). Besonders die cerises de terre waren eine Neu- oder besser gesagt Wiederentdeckung für mich. Sie sind nicht nur als Tisch- oder Nachtischdekoration nett, sondern auch ihr intensiver Geschmack hat mich sehr begeistert - kann ich nur weiterempfehlen!
Übrigens: Eines meiner Liebelingsgebäude ist die unweit von meinem Wohnort liegende Stadtbibliothek, eine vormalige Kirche, auf deren Glockenturm nun Buchstaben prangen:
http://www.biblio.rinalasnier.qc.ca/ .
Mein neuestes Wort, das ich von Marilène gelernt habe:
quétène - québécois für "kitsch"/ "schlechter Geschmack".
Hier in Joliette ist große "rentrée des classes" angesagt - also der Schul-/Studien(neu)anfang überall. Sowohl Supermärkte als auch Papeterien und Modeboutiquen schreiben sich jetzt auf die Fahnen, jeden Schüler/ Studenten zu Beginn des besagten Ereignisses als Star seines Jahrganges dastehen lassen zu können - sei es dass man die tollsten Klamotten trägt oder den angesagtesten neuen Rucksack hat. Freitag werde ich wohl zum ersten Mal unterrichten - mal sehen wie die "lieben Kleinen" ;-) so drauf sind.
Hallo! Ich heiße Chantal und bin zufällig auf deinen Blog gestoßen. Ich werde ab September mein Jahr als Fremdsprachenassistentin in Joliette machen und habe beim Googlen deinen Blog entdeckt :-) Sehr cool, dass Du hier so viele deiner Erlebnisse geschildert hast! Liebe Grüße! Chantal :-)
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