Sonntag, 17. Oktober 2010

Tadoussac

Am Wochenende vom 01. bis zum 03. Oktober ging es mit den anderen Sprachassistenten in Joliette nach Tadoussac (http://www.tadoussac.com/), einem hinreißenden Örtchen etwa 200 km von Québec City entfernt.
Und warum das Ganze? Abgesehen von der Möglichkeit, alle im Québec verstreuten Fremdsprachenassistenten mal wieder an einem Ort versammelt zu Gesicht zu bekommen, lockte der Ruf der hoffentlich zu bestaunenden Wale und die Aussicht auf feuchtfröhliches Kayaken und/ oder Raften auf dem Fjord inmitten sagenhafter kanadischer Natur.
Der Name "Tadoussac" kommt anscheinend aus der in jener Gegend speziellen Sprache der Bergläute und bedeuted wohl so etwas wie "Hügellandschaft" oder "hügelig".

Leider wurden Raften und Kayaken aufgrund der Wetterbedingungen am ersten Tag abgesagt, aber ein Ausflug in die Umgebung mit den anderen Deutschassistenten (danke fürs Mitnehmen im Mietwagen :-)) wurde zu einem mehr als zufriedenstellenden Ersatz zu den eigentlich geplanten Veranstaltungen mit größeren Gruppen.

Nicht nur dass wir uns in einem einfach herzerwärmend originellen, kleinen Tadoussacer Restaurant fernab vom normalen Troubel - ein Geheimtipp der Einheimischen - riesige und schmackhafte Portionen Muscheln und panierten Fisch einverleiben konnten, machte den Besuch in Tadoussac zu einem - in diesem Fall kulinarischen - Erfolg. Nach dem Essen ging es nämlich mit gut gefülltem Bagen und dementsprechend behäbigen Schrittes zum "Zodiac" (einer Art Luftboot)-Fahren auf dem Saguenay-Fjord, um den pechschwarz glänzenden Rücken der Wale etwas näher zu rücken und vielleicht sogar, mit etwas Glück, den sagenumwobenen Gesang der faszinierenden und wunderschönen Schwergewichte zu lauschen.

Nach Anlegen eines mindestens zwei Numemrn zu großen, aus gummigem Material bestehenden, sonnengelben Overalls sowie dazu passenden Gummistiefeln samt Regenjacke, Handschuhen und marineblauer Wollmütze bestiegen wir watschelnd das Zodiac-Boot. Ungefähr zwei Stunden verbrachten wir auf dem Boot, mal gemütlich dahin tuckernd, mal (mit Absicht unseres grinsenden Fahrers) gewaltige Haken auf der Wasserfläche schlagend. Bei jedem Aufprall jauchtzten wir begeistert gleich einer Horde sich todesmutig ins pitschnasse Abenteur stürtzender Neu-Matrosen. Vom Wasser durchgepeitscht, wurden wir mit der Zeit trotz Regenkotümierung durchnässt bis auf die Knochen .

Belohnt für unseren Wagemut wurden wir mit dem Anblick einiger Wale, deren stämmige Rückenflossen hie und da nahezu keck aus den Wellen ragten und mit majestetischer Wuchtigkeit an unserem Boot vorbeizogen. Unter meiner Kaputze hervorblinzelnd und mit salzig schmeckenden Lippen sah ich Möwen in nicht weiter Ferne, die ihre weiß - grau gefederten, flaumigen Bäuche an der Wasseroberfläche rieben, während sie mit wiegenden Bewegungen auf den von der Sonne glitzernden Wogen tanzten. Ein Gefühl zwischen absoluter und wilder Freiheit, Verbundenheit und einem "Ja, ich lebe und genieße es in vollen Zügen, hier auf einem mich von Kopf bis in den kleinen Zeh durchrüttelndem Gummiboot" - Gefühl sowie Staunen, Nervenkitzel und Dankbarkeit dafür, den Moment, das Leben und einfach alles genießen und aufsaugen zu dürfen.

Auch wenn mir meine Wirbelsäule die in Frequenz und Stärke doch sehr großzügig bemessenen Stösse beim Aufprall des Bootes auf dem Wasser vielleicht noch länger übel nehmen wird und ich nicht unbedingt jeden Monat durchgerüttelt und verfroren sowie mit dem Gefühl, eine volle Windel anzuhaben, an Land gelangen möchte, kann ich dieses Erlebnis jedem und jeder nur wärmstens empfehlen. Man braucht ein klein wenig abenteurerischen Wagemut und einen Schuss Verrücktheit sowie diese grandiose kanadische Naturkulisse - et voilà, schon hat man ein unvergessliches Erlebnis, dass sich garnicht so "standardtouristisch" anfühlt wie man es erwarten würde.

Diese Landschaft... die Weite, die meterlangen, buntgefärbten Blätterkorridore - der typische "Indian Summer", jahrhundertealte Felsformationen, der wunderbare Strand, die Sanddünen, die Möwen und nochmals und vielmals die Landschaft, die Landschaft, die Landschaft... und das edel rot-weiß glänzende "Hôtel de Tadoussac", welches dem Ort einen eleganten Anstrich verleiht. Eine Mischung bestehend aus kernig-bodenständiger nordamerikanischer Natur gepaart mit einem Hauch maritimer Noblesse, die an mondäne Badeorte wie zum Beispiel an den französischen Badeortes Biarritz denken lässt - wo eine gut betuchte Klientel in fein gewebtem Zwirn sich beim Flanieren auf der Chaussée den salzigen Wind um die Nase blasen lässt und in großen Korbsesseln oder auf weiß getünchten Holzliegen dem Sonnenbade zuspricht...

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