Sonntag, 17. Oktober 2010

Le fabuleux destin d'Amalia chez Madeleine Poulin - Die fabehafte Welt der Madeleine

Wie im Flug ist ein Monat vergangen und ich kleines, nunmehr kanadisches Eichhörnchen ;-), bin so gut beschäftigt, dass ich mein Baby, den so viel beworbenen Québec-Reise-Blog, sträflich vernachlässigt habe. In diesem Monat ist in rasender Zeit unglaublich viel passiert. Zeit, rhetorisch die Frucht der Erlebnisse der letzten 4 Wochen abzuernten und diese "Beute" an Erinnerungen dem dürstenden Lesepublikum zu präsentieren.

Ende September/ Anfang Oktober gab es eine kleinen persönlichen Ortswechsel mit großer Wirkung: Ich zog bei Madeleine ein, einer hinreißenden mitfünfzigjährigen Québecerin, die ebenfalls Mitarbeiterin des Cégep und zuständig für die "Fondation" (sprich: Stiftung für das Cégep und sowas wie "fundraising") ist. Wie kam es dazu? Nach einem Monat WG-Leben in der Rue Notre Dame verfestigte sich langsam aber sicher mein Eindruck, dass meine WG-Mitbewohner zwar nett seien, ich aber in den kommenden 7 von 8 Monaten Gesamt-Porgrammlaufzeit eindeutig mehr Französisch sprechen und dies möglichst mit einem Muttersprachler tun wollte. Dank Marilène und Joanne, zuständig für Gastfamilien und internationale Studierende am Cégep, fand ich innerhalb kürzester Zeit jemanden, der mich Neu-Québecerin bei sich aufnehmen wollte - und diese Person ist die wunderbare Madeleine - mit Nachnamen nicht umsonst "Poulin" (Le fabuleux destin d'Amélie Poulin/ Die fabelhafte Welt der Amélie), denn fabelhaft ist sie ohne Untertreibung! :-)

Madeleine hatte bereits im letzten Jahr für 10 Monate eine Austauschschülerin, eine junge Columbianerin, bei sich aufgenommen und als wir uns vorgestellt wurden mochten wir uns auf anhieb - quasi "Liebe auf den ersten Blick". Abgesehen davon, dass ich nun täglich Französisch spreche, habe ich in Madeleine eine interessierte, weltoffene, unglaublich herzliche und wunderbare Zweit-Mama, Freundin, Gesprächspartnerin sowie künstlerisch tätige und kunstbegeister Hobbymalerin und Zwischenprüfungs-Coach-in (sie hat französische Literatur studiert und wird mir beim Lernen für den literaturwissenschaftlichen Teil helfen) gefunden!

Ich bewohne ein sehr schönes Zimmer in Madeleines Appartment, das ein riesiges Bett, im Gegensatz zu meinem Zimmer in der Rue Notre Dame einen richtigen Bürotisch hat, und über einen begehbaren Kleiderschrank verfügt. Madeleine und ich fahren morgens gemeinsam im Auto zum (15 Minuten entfernten) Cégep, wir schauen zusammen Filme, reden über Gott und die Welt und lachen viel und gerne mit einander. Und an den Wochenenden, wenn Madeleines Freund Pierre (hat seine eigene Firma im Ökologie-Bereich - Hobbymaler- und Fotograf sowie begnadeter Koch) da ist und seinen deliziösen "Croque Monsieur" mit Salat oder eine ander Köstlichkeit zaubert, dann bin ich auch immer ein gern gesehener Gast und darf sogar spontan Freunde mitbringen, die dann ebenso großzügig und herzlich bewirtet werden.

Wie mein Lieblings- Deutschstudent Michael, schottischer Englisch-Assistent der in St.-Andrews studiert und ebenfalls 8 Monate in Joliette ist. Ironischerweise nahm ich ihn, den überzeugten Vegetarier, gerade an dem Abend mit zu Madeleine, als Pierre sein butterzartes und hervorragendes Roastbeef gezaubert hatte. Aber Michael erhielt kurzerhand einfach eine Riesenportion von Madeleines wirklich süchtig machendem Gemüse-Couscous - und schon waren alle glücklich! :-) Wie man hoffentlich unschwer erkennen kann, bin ich sehr glücklich mit meiner Entscheidung, den Schritt gewagt und aus der WG ausgezogen zu sein. Meine ehemaligen Mitbewohner und die anderen Assistenten sehe ich dennoch mindestens an den Wochenenden und/oder am Cégep, was mir auch sehr wichtig ist um nicht ab vom Schuss zu sein.

Für Madeleine bin ich nach eigenen Aussage schon jetzt sowas wie eine Tochter (sie hat einen Sohn, Félix, den ich bereits kennengelernt habe als er mit seiner Freundin Camille zum Abendessen da war). Sie nennt mich immer ganz stolz "ma grande belle fille" (meine große schöne Tochter) überhäuft mich mit Komplimenten und Umarmungen und ist einfach ein rundum reitzendes Geschöpf.

Fazit: In Madeleine habe ich eine Seelenverwandte, interessierte Zuhörerin und immer-gesprächsbereite Zweit-Mutti gefunden. Selbst in meinen kühnsten Erwartungen hätte ich nicht geglaubt, eine so nette Gastmutter zu finden und ich bin überzeugt davon, dass die nächsten Monate mit ihr bis zu meiner leider nötigen Abreise (beidseitige Sturzbäche an Abschieds-Tränen sehe ich jetzt schon voraus) einfach toll werden.

Am Cégep geht die Arbeit ihre geregelten Bahnen und ich bin sehr froh mit den Studierenden zusammenarbeiten zu können. Oft reibe ich mir ungläubig die Augen und staune, wie sehr einige Studierende an der deutschen Sprache interessiert sind. So wie die beiden Studierenden aus dem Allemand- I -Kurs neulich, die mit einer Zeitung mit internationalen Nachrichten in die Sprechstunde kamen und mich baten, gemeinsam über ein aktuelles (politisches) Thema auf Deutsch zu diskutieren. Ich habe mir dann mit den beiden Jungs die Tagesthemen im Internet angeschaut, ihnen einige Namen von wichtigen deutschen Zeitungen aufgeschrieben und war am Ende der 45 Minuten sichtlich gerührt und begeistert davon, dass die beiden garnicht darauf drängten pünktlich zu gehen, sondern sich die Nachrichten noch unbedingt bis zum Schluss ansehen wollten. Um das ganze nicht zu trocken und eintönig werden zu lassen, hatte ich mit den beiden einen Beitrag zum Moschee-Bau am Ground Zero rausgesucht und stoppt den Beitrag immer wieder, um Vokalbeln zu erklären und zu besprechen.

Madeleine fährt jeden Morgen recht früh ins Büro, meist sind wir um viertel oder 10 vor Acht schon am Cégep. Die Studis kommen an Sprechstunden- Tagen erst ab 10 Uhr, weshalb ich morgens meist noch massig Zeit zum Vorbereiten von kleinen Spielen, Songtexten und/oder Arbeitsblättern für die Sprechstunden habe. Zu Beginn war es etwas gewöhnungsbedürftig gegen halb 7 aufzustehen, aber ich habe wirklich das Gefühl einfach mehr vom Tag zu haben und mehr tun zu können.

Auf den Fotos:

1. Pierre
und ich

2. Pierre und Madeleine - das perfekte Paar

3. Pierre, ich und Michael

sowie 4. Die "Croque Monsieur" bevor sie im Ofen verschwanden

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