Dienstag, 16. November 2010

Rememberance Day


Der 15. November ist der Jour du Souvenir oder Rememberance Day. Hier im Québec trugen zahlreiche Fernsehansager und einige Leute auf der Straße plötzlich rote Stoffblumen am Revers.

Was ist das für eine Blume und was bedeuted sie? Das Stoffblümchen soll eine stilisierte rote Mohnblume (frz. coqueliquot) darstellen und wird im Gedenken an das Ende des ersten Weltkrieges 1918 sowie als Erinnerung an die im Krieg gefallenene Veteranen getragen. In allen Staaten des Commonwealth, somit auch Canada, gehört der Tag zu einem festen Gedenktermin. Der rote Mohn (englisch poppy - deshalb wird der Gedenktag auch "Poppy Day" genannt) ist Symbol für die Opfer auf allen Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges und wurde literarisch/poetisch verarbeitet (Bild des roten Mohns der auf dem vorher "nackten" Schlachtfeld und im Anschluss an eine Schlacht wuchs).

Sonntag, 14. November 2010

Mein Geburtstag

Die Zeit vergeht wie im Flug... und schon war er da, der 16. Oktober - mein 24. Geburtstag.
Am Freitag Abend ging es mit den anderen Sprachassistenten und Marilène ins "Cambodiana", einem deliziösen kambodschanischen Restaurant in Jolette. Nach einem leckeren Essen klang der Abend in einer meiner Lieblingsbars, dem "L'interlude" aus.

Marilène, ich, Michael und Eibhlin Leckeres "Poulet asiatique"


Alle sind happy... Caught in the act:
beim Geschenke-Auspacken



Im "L'Interlude"

Am Samstag organisierte Madeleine eine kleine, wundervolle Feier bei "uns" zu Hause. Ihr Sohn Félix und seine Freundin Camille, Madeleines Bruder und dessen Freundin Dolores sowie Pierre feierten mit. Letzterer zauberte eine fantastische Meeresfrüchte-Paella. Es wurde gelacht, geredet, gekocht, gesungen ("Ce soir c'est ta fête"), nach der Paella gab es Torte und ich bekam ein Kosmetikköfferchen mit mehreren kleinen Taschen zum Aufbewahren meiner "soins de beauté" (Kosmetika) - denn ich bin, laut Madeleine, "une vrai fille" ;-), ein typisches Mädchen, das ständig 1000 Kosmetikprodukte mit sich herumträgt.

Übrigens "ta fête", wörtlich übersetzt "deine Feier" bedeutet "dein Geburtstag" und man gratuliert dementsprechend mit "Bonne fête!" oder auch mit "Joyeux anniversaire".

Die Festgesellschaft (Pierre, Dolores, Michel, Fantastische Paella
ich, Félix und Camille)



Madeleine, die beste Gastmutter der Welt singt... und überreicht mir meine Geburtstagstorte!:)


Samstag, 23. Oktober 2010

Bertholt Brecht und Otto Dix in Montréal!



«ROUGE CABARET - Le Monde effrayable et beau de Otto Dix» - (Die schrecklich-schöne Welt des Otto Dix) so heisst die erste auf nordamerikanischem Boden stattfindende Ausstellung zu Otto Dix [1891 - 1969], einem der bedeutensten deutschen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Es ist schon ironisch, aber das ist wohl der Lauf der Dinge, denn das Stuttgarter Kunstmuseum besitzt eine der bedeutendsten Otto-Dix-Sammlungen, nach eigene
n Aussagen "die weltweit bdeutendste", ich musste aber wohl erst über den Atlantik fliegen um die sich so ganz in meiner Nähe befindenden Werke Otto Dix' wirklich zu entdecken.

Das Musée des Beaux-arts de Montréal hat die erste Otto dix gewidmete Ausstellung auf dem nordamerikanischen Kontinent auf die Beine gestellt.

Mit Marilène und einer Gruppe Kunst- und Deutschstudierenden des Cégep lauschte ich fasziniert, gespannt und bewegt der Museumsmitarbeiterin, die uns mit angenehmer Stimme und dem richtigen Gespür für wirklich interessante Anekdoten und anregende Details durch die Ausstellung führte.

"Schaurig-schön", beaux et effrayant, das sin
d Otto Dix Werke tatsächlich. Die Ausstellung zeigt in den ersten Räumen Zeichnungen und Gouachen, auf Papier gerbachte Wundmale des ehemaligen Feldartilleristen Dix, der sich während des Ersten Weltkrieges freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet hatte.

Der Mensch als vom Krieg zerriebenes Wesen, zum Biest geworden, von den niedersten Instinkten getriebene Soldaten, verzeifelt, zerfressen vom alltäglichen Dasein in den Schützengräben - die Kälte, die Nässe, die Angst, die Schreie Verletzter, die miserablen Bedingungen in denen man als nahezu Halbtoter in seinem Erdloch auf den nächsten Befehl, den nächsten Einsatz, die nächste Explosion wartete. Die zerfetzten Körperteile der eigenen Kollegen ... Otto Dix malte sie: Gedärme, halb zerfetzte Gesichter, Gehirne.

Ja, es ist grausam, viszeral, fast ekelhaft - und doch schafft es Dix dank einer guten Portion Ironie und durch die Konfrontation mit dieser seiner Kriegsalltäglichkeit dem Betrachter neben einem kalten Schauer so etwas wie Verständnis einzuflößen. Verstehen, was der Krieg aus Menschen macht.

Er drückt keine subjektiven Emotionen aus, denn sein Credo lautet: Sehen und beobachten, um zu verstehen. Und die Wahrheit zeigen. Den Finger auf die Wunde legen und abbilden
, was grausamer Alltag ist. Er wertet nicht, er beschönigt nicht, er zeigt stumm und streng die Realität auf, setziert das Grauen - das um ihn herum und jenes, das er selbst in sich trägt. Viele seiner ehemaligen Soldatenkollegen brachten sich um, ertrugen die Erinnerung an das Erlebte nicht. Otto Dix malte. Als Therapie. Und um sich selbst und Vergangenes zu denuntieren.

Für mich, die kleine Wahl-Québecerin auf Zeit, war die Ausstellung eine wahre Erleuchtung und wie das Treffen alter Bekannter. Die Philosophie Nietzsches und dessen "Übermensch", Dürer und seine Selbstproträts, die düstere Seite Goyas, Bruegels Landschaftsmalerei, die Vanitasmotive alter flämischer Meister - ihnen allen war ich bisher einzeln in Büchern und Ausstellungen begegnet.

Doch Otto Dix führte sie alle auf eine nie gekannte Weise zusammen, er nahm Elemente dieser Künstler auf und verarbeitete sie neu. In einem großen Prozess des inneren "Zusammenpuzzelns" konnte ich all jene "alten Bekannten" nun in eine Reihe mit ihm stellen. Da stehe ich also, in der ersten diesem großen Künstler gewidmeten Ausstellung auf einem anderen Kontinent - und staune - und arbeite innerlich - und bin beeindruckt.

Dix war stark von Nietzsches Philosophie beeinflusst, seine einzige und leider verschollene Skulptur, von der nur noch Fotographien auffindbar waren, stellt den Kopf Nietzsches dar. Am Ausgang wurden dementsprechend unter anderem Nietzsches "Also sprach Zarathustra" auf Französisch feil geboten. Einer der Studierenden hat sich das Buch gekauft und liest es derzeit fleißig.






Und was Bertholt Brecht angeht: Seine "Dreigroschenoper" - im Französischen heißt sie übrigens aus mir nicht bekannten Gründen "Viergroschenoper": L'opéra de quat' sous - wurde in Montréal im Théatre du Nouveau Monde aufgeführt. Die Inszenierung war mitreißend gestalted und hat bei mir sowie den zuschauenden Cégep-Studierenden, mit denen ich dort war, großen Anklang gefunden. Besonders gefallen hat mir die Art, wie der Regisseur die im Stück angegebenen Regieanweisungen konkret in die Handlung einbetted hat.


So beispielsweise im zweiten Akt, Ort ist das Gefängnis in Old Bailey:
Die Polizisten sprechen unmittelbar vor der Verfolgungsjagd nach Macki Messer zunächst die Regieanweisungen laut und mit der gespannten Ernsthaftigkeit der nun folgenden, todesmutigen Jagd nach Macki aus, bevor sie handeln.
Dies lässt an die Komik alter Hollywood- Stummfilme und Slapstick-Komödien à la "Dick und Doof" und an die herzwerwärmenden, zu tränenreichen Lachanfällen animiereden Verfolgungsjagden denken, welche in Streifen im Stile von Charlie Chaplins "The Tramp"- Filmen vorkommen.

Naürlich taten die Requisisten und Kostüme im Stil der Zwanziger Jahre, die Musik von Kurt Weil, die "Gassenhauer" wie das Lied der Seeräuber-Jenny oder "die Moritat von Mackie Messer" ihr übriges, um die Zuschauer mitzureißen. Gesungen wurde zum Teil auch auf Deutsch und auch die Requisiten waren zum Teil auf Deutsch beschrieben- zum Beispiel die Schilder, welche an Jonathan Peachums Bettlerfirma angebracht sind.

Ich war etwas müde nach 3 Stunden Aufführung und einer Stunde Hin- und Rückfahrt. Gelohnt hat es sich natürlich dennoch auf jeden Fall!

In nur zwei auf einander folgenden Tagen durfte ich also zwei große deutsche Künstler neu erleben, ihre Werke in neuem Gewand betrachten und mich darüber freuen, aus meiner Perspektive hier im Ausland einen teils bekannten und doch veränderten, neuen Blick auf einen wunderbaren Teil dessen werfen zu dürfen, was die Kultur meines Herkunftslandes ausmacht.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Tadoussac

Am Wochenende vom 01. bis zum 03. Oktober ging es mit den anderen Sprachassistenten in Joliette nach Tadoussac (http://www.tadoussac.com/), einem hinreißenden Örtchen etwa 200 km von Québec City entfernt.
Und warum das Ganze? Abgesehen von der Möglichkeit, alle im Québec verstreuten Fremdsprachenassistenten mal wieder an einem Ort versammelt zu Gesicht zu bekommen, lockte der Ruf der hoffentlich zu bestaunenden Wale und die Aussicht auf feuchtfröhliches Kayaken und/ oder Raften auf dem Fjord inmitten sagenhafter kanadischer Natur.
Der Name "Tadoussac" kommt anscheinend aus der in jener Gegend speziellen Sprache der Bergläute und bedeuted wohl so etwas wie "Hügellandschaft" oder "hügelig".

Leider wurden Raften und Kayaken aufgrund der Wetterbedingungen am ersten Tag abgesagt, aber ein Ausflug in die Umgebung mit den anderen Deutschassistenten (danke fürs Mitnehmen im Mietwagen :-)) wurde zu einem mehr als zufriedenstellenden Ersatz zu den eigentlich geplanten Veranstaltungen mit größeren Gruppen.

Nicht nur dass wir uns in einem einfach herzerwärmend originellen, kleinen Tadoussacer Restaurant fernab vom normalen Troubel - ein Geheimtipp der Einheimischen - riesige und schmackhafte Portionen Muscheln und panierten Fisch einverleiben konnten, machte den Besuch in Tadoussac zu einem - in diesem Fall kulinarischen - Erfolg. Nach dem Essen ging es nämlich mit gut gefülltem Bagen und dementsprechend behäbigen Schrittes zum "Zodiac" (einer Art Luftboot)-Fahren auf dem Saguenay-Fjord, um den pechschwarz glänzenden Rücken der Wale etwas näher zu rücken und vielleicht sogar, mit etwas Glück, den sagenumwobenen Gesang der faszinierenden und wunderschönen Schwergewichte zu lauschen.

Nach Anlegen eines mindestens zwei Numemrn zu großen, aus gummigem Material bestehenden, sonnengelben Overalls sowie dazu passenden Gummistiefeln samt Regenjacke, Handschuhen und marineblauer Wollmütze bestiegen wir watschelnd das Zodiac-Boot. Ungefähr zwei Stunden verbrachten wir auf dem Boot, mal gemütlich dahin tuckernd, mal (mit Absicht unseres grinsenden Fahrers) gewaltige Haken auf der Wasserfläche schlagend. Bei jedem Aufprall jauchtzten wir begeistert gleich einer Horde sich todesmutig ins pitschnasse Abenteur stürtzender Neu-Matrosen. Vom Wasser durchgepeitscht, wurden wir mit der Zeit trotz Regenkotümierung durchnässt bis auf die Knochen .

Belohnt für unseren Wagemut wurden wir mit dem Anblick einiger Wale, deren stämmige Rückenflossen hie und da nahezu keck aus den Wellen ragten und mit majestetischer Wuchtigkeit an unserem Boot vorbeizogen. Unter meiner Kaputze hervorblinzelnd und mit salzig schmeckenden Lippen sah ich Möwen in nicht weiter Ferne, die ihre weiß - grau gefederten, flaumigen Bäuche an der Wasseroberfläche rieben, während sie mit wiegenden Bewegungen auf den von der Sonne glitzernden Wogen tanzten. Ein Gefühl zwischen absoluter und wilder Freiheit, Verbundenheit und einem "Ja, ich lebe und genieße es in vollen Zügen, hier auf einem mich von Kopf bis in den kleinen Zeh durchrüttelndem Gummiboot" - Gefühl sowie Staunen, Nervenkitzel und Dankbarkeit dafür, den Moment, das Leben und einfach alles genießen und aufsaugen zu dürfen.

Auch wenn mir meine Wirbelsäule die in Frequenz und Stärke doch sehr großzügig bemessenen Stösse beim Aufprall des Bootes auf dem Wasser vielleicht noch länger übel nehmen wird und ich nicht unbedingt jeden Monat durchgerüttelt und verfroren sowie mit dem Gefühl, eine volle Windel anzuhaben, an Land gelangen möchte, kann ich dieses Erlebnis jedem und jeder nur wärmstens empfehlen. Man braucht ein klein wenig abenteurerischen Wagemut und einen Schuss Verrücktheit sowie diese grandiose kanadische Naturkulisse - et voilà, schon hat man ein unvergessliches Erlebnis, dass sich garnicht so "standardtouristisch" anfühlt wie man es erwarten würde.

Diese Landschaft... die Weite, die meterlangen, buntgefärbten Blätterkorridore - der typische "Indian Summer", jahrhundertealte Felsformationen, der wunderbare Strand, die Sanddünen, die Möwen und nochmals und vielmals die Landschaft, die Landschaft, die Landschaft... und das edel rot-weiß glänzende "Hôtel de Tadoussac", welches dem Ort einen eleganten Anstrich verleiht. Eine Mischung bestehend aus kernig-bodenständiger nordamerikanischer Natur gepaart mit einem Hauch maritimer Noblesse, die an mondäne Badeorte wie zum Beispiel an den französischen Badeortes Biarritz denken lässt - wo eine gut betuchte Klientel in fein gewebtem Zwirn sich beim Flanieren auf der Chaussée den salzigen Wind um die Nase blasen lässt und in großen Korbsesseln oder auf weiß getünchten Holzliegen dem Sonnenbade zuspricht...

Le fabuleux destin d'Amalia chez Madeleine Poulin - Die fabehafte Welt der Madeleine

Wie im Flug ist ein Monat vergangen und ich kleines, nunmehr kanadisches Eichhörnchen ;-), bin so gut beschäftigt, dass ich mein Baby, den so viel beworbenen Québec-Reise-Blog, sträflich vernachlässigt habe. In diesem Monat ist in rasender Zeit unglaublich viel passiert. Zeit, rhetorisch die Frucht der Erlebnisse der letzten 4 Wochen abzuernten und diese "Beute" an Erinnerungen dem dürstenden Lesepublikum zu präsentieren.

Ende September/ Anfang Oktober gab es eine kleinen persönlichen Ortswechsel mit großer Wirkung: Ich zog bei Madeleine ein, einer hinreißenden mitfünfzigjährigen Québecerin, die ebenfalls Mitarbeiterin des Cégep und zuständig für die "Fondation" (sprich: Stiftung für das Cégep und sowas wie "fundraising") ist. Wie kam es dazu? Nach einem Monat WG-Leben in der Rue Notre Dame verfestigte sich langsam aber sicher mein Eindruck, dass meine WG-Mitbewohner zwar nett seien, ich aber in den kommenden 7 von 8 Monaten Gesamt-Porgrammlaufzeit eindeutig mehr Französisch sprechen und dies möglichst mit einem Muttersprachler tun wollte. Dank Marilène und Joanne, zuständig für Gastfamilien und internationale Studierende am Cégep, fand ich innerhalb kürzester Zeit jemanden, der mich Neu-Québecerin bei sich aufnehmen wollte - und diese Person ist die wunderbare Madeleine - mit Nachnamen nicht umsonst "Poulin" (Le fabuleux destin d'Amélie Poulin/ Die fabelhafte Welt der Amélie), denn fabelhaft ist sie ohne Untertreibung! :-)

Madeleine hatte bereits im letzten Jahr für 10 Monate eine Austauschschülerin, eine junge Columbianerin, bei sich aufgenommen und als wir uns vorgestellt wurden mochten wir uns auf anhieb - quasi "Liebe auf den ersten Blick". Abgesehen davon, dass ich nun täglich Französisch spreche, habe ich in Madeleine eine interessierte, weltoffene, unglaublich herzliche und wunderbare Zweit-Mama, Freundin, Gesprächspartnerin sowie künstlerisch tätige und kunstbegeister Hobbymalerin und Zwischenprüfungs-Coach-in (sie hat französische Literatur studiert und wird mir beim Lernen für den literaturwissenschaftlichen Teil helfen) gefunden!

Ich bewohne ein sehr schönes Zimmer in Madeleines Appartment, das ein riesiges Bett, im Gegensatz zu meinem Zimmer in der Rue Notre Dame einen richtigen Bürotisch hat, und über einen begehbaren Kleiderschrank verfügt. Madeleine und ich fahren morgens gemeinsam im Auto zum (15 Minuten entfernten) Cégep, wir schauen zusammen Filme, reden über Gott und die Welt und lachen viel und gerne mit einander. Und an den Wochenenden, wenn Madeleines Freund Pierre (hat seine eigene Firma im Ökologie-Bereich - Hobbymaler- und Fotograf sowie begnadeter Koch) da ist und seinen deliziösen "Croque Monsieur" mit Salat oder eine ander Köstlichkeit zaubert, dann bin ich auch immer ein gern gesehener Gast und darf sogar spontan Freunde mitbringen, die dann ebenso großzügig und herzlich bewirtet werden.

Wie mein Lieblings- Deutschstudent Michael, schottischer Englisch-Assistent der in St.-Andrews studiert und ebenfalls 8 Monate in Joliette ist. Ironischerweise nahm ich ihn, den überzeugten Vegetarier, gerade an dem Abend mit zu Madeleine, als Pierre sein butterzartes und hervorragendes Roastbeef gezaubert hatte. Aber Michael erhielt kurzerhand einfach eine Riesenportion von Madeleines wirklich süchtig machendem Gemüse-Couscous - und schon waren alle glücklich! :-) Wie man hoffentlich unschwer erkennen kann, bin ich sehr glücklich mit meiner Entscheidung, den Schritt gewagt und aus der WG ausgezogen zu sein. Meine ehemaligen Mitbewohner und die anderen Assistenten sehe ich dennoch mindestens an den Wochenenden und/oder am Cégep, was mir auch sehr wichtig ist um nicht ab vom Schuss zu sein.

Für Madeleine bin ich nach eigenen Aussage schon jetzt sowas wie eine Tochter (sie hat einen Sohn, Félix, den ich bereits kennengelernt habe als er mit seiner Freundin Camille zum Abendessen da war). Sie nennt mich immer ganz stolz "ma grande belle fille" (meine große schöne Tochter) überhäuft mich mit Komplimenten und Umarmungen und ist einfach ein rundum reitzendes Geschöpf.

Fazit: In Madeleine habe ich eine Seelenverwandte, interessierte Zuhörerin und immer-gesprächsbereite Zweit-Mutti gefunden. Selbst in meinen kühnsten Erwartungen hätte ich nicht geglaubt, eine so nette Gastmutter zu finden und ich bin überzeugt davon, dass die nächsten Monate mit ihr bis zu meiner leider nötigen Abreise (beidseitige Sturzbäche an Abschieds-Tränen sehe ich jetzt schon voraus) einfach toll werden.

Am Cégep geht die Arbeit ihre geregelten Bahnen und ich bin sehr froh mit den Studierenden zusammenarbeiten zu können. Oft reibe ich mir ungläubig die Augen und staune, wie sehr einige Studierende an der deutschen Sprache interessiert sind. So wie die beiden Studierenden aus dem Allemand- I -Kurs neulich, die mit einer Zeitung mit internationalen Nachrichten in die Sprechstunde kamen und mich baten, gemeinsam über ein aktuelles (politisches) Thema auf Deutsch zu diskutieren. Ich habe mir dann mit den beiden Jungs die Tagesthemen im Internet angeschaut, ihnen einige Namen von wichtigen deutschen Zeitungen aufgeschrieben und war am Ende der 45 Minuten sichtlich gerührt und begeistert davon, dass die beiden garnicht darauf drängten pünktlich zu gehen, sondern sich die Nachrichten noch unbedingt bis zum Schluss ansehen wollten. Um das ganze nicht zu trocken und eintönig werden zu lassen, hatte ich mit den beiden einen Beitrag zum Moschee-Bau am Ground Zero rausgesucht und stoppt den Beitrag immer wieder, um Vokalbeln zu erklären und zu besprechen.

Madeleine fährt jeden Morgen recht früh ins Büro, meist sind wir um viertel oder 10 vor Acht schon am Cégep. Die Studis kommen an Sprechstunden- Tagen erst ab 10 Uhr, weshalb ich morgens meist noch massig Zeit zum Vorbereiten von kleinen Spielen, Songtexten und/oder Arbeitsblättern für die Sprechstunden habe. Zu Beginn war es etwas gewöhnungsbedürftig gegen halb 7 aufzustehen, aber ich habe wirklich das Gefühl einfach mehr vom Tag zu haben und mehr tun zu können.

Auf den Fotos:

1. Pierre
und ich

2. Pierre und Madeleine - das perfekte Paar

3. Pierre, ich und Michael

sowie 4. Die "Croque Monsieur" bevor sie im Ofen verschwanden

Sonntag, 19. September 2010

Zwei Wochen - ein Rückblick








Es ist Sonntag, seit meiner ersten richtigen Schulwoche sind 2 Wochen vergangen und so langsam aber sicher bekomme ich den Dreh raus. Aber erst mal von Beginn an, schließlich habe ich meinen Blog etwas vernachlässigt und ihr wisst garnicht, was genau ich denn mit "den Dreh raushaben" meine.

Zunächst nochmal zum Cégep.
Was genau ist dieses établissement mit dem mysteriösen Namen? Wer noch nie was davon gehört hat, muss sich nicht schämen, denn diese Bildungseinrichtung gibt es ausschließlich im Québec, ist also auch innerhalb Kanadas einzigartig und demenstprechend wusste ich auch noch nichts davon bevor ich anfing mich für das Québec und das Austauschprogramm des PAD zu interessieren. Am
Collège d'enseignement général et professionnel kann man sich, so wie es der Name ausdrückt, auf allgemeine oder spezifische Weise auf den Beruf oder den an den an das Cégep anschließenden Besuch einer Universität vorbereiten. Vergleichbar wäre das vielleicht noch näherungsweise mit einer Berufsschule in Deutschland, wobei auf das Cégep eben auch Abiturienten gehen, um sich auf die Uni vorzubereiten - also Berufsschule und Uni-Vorbereitung unter einem Dach. Die "Schüler", die alle ab eta 17 Jahre + alt sind, werden deshalb auch "Studenten" genannt und die Unterrichtspläne sowie das "Schul"jahr sind wie an der Uni in Semester aufgeteilt.

An der im québecischen Schulsystem auf die Grundschule folgende école secondaire, ähnlich dem französischen lycée oder unserer gymnasialen Unter- und Mittelstufe (die Schüler sind zwischen 12 und 16 Jahre alt) erwirbt man ein Diplôme d'études secondaires (DES - ja, auch im Québec geht es wie in Frankreich hoch her was Abkürzungen angeht ;-)). Danch können sich die Absolventen zwischen einem technsichen oder einem vor- universitären Programm am Cégep, das mit einer DEC abschließt (richtig: einem Diplôme d'études colégiales), entscheiden. Das technische Programm dauert 6 Semester, also 3 Jahre, und bereitet auf den direkten Einstieg in den Arbeitsmarkt vor. Die Programme, die auf die Uni vorbereiten, dauern in der Regel vier Semester.

Das angenehme an der Arbeit am Cégep ist, dass die Jugendlichen / jungen Erwachsenen im Durchschnitt reifer sind als die Teenies an der École Secondaire. Während man an deutschen Gymnasien als Lehrer die ganze Altersspanne von 12 bis 18 Jahren unterrichtet (und wir wissen alle dass entwicklungsmäßig genau dann eine Menge passiert und quasi Welten zwischen einem 15- und einem 19-Jährigen liegen können), hat man es am Cégep lediglich mit 17 bis etwa 21jährigen zu tun, die sich - anders als in der école secondaire - nun das Studienprogramm ja selbst ausgesucht haben. Natürlich gibt es sicherlich auch in diesem Bereich mal Konflikte, nicht jeder oder jede ist gleich begabt, gleich motiviert, gleich begeistert - und natürlich geht das auch garnicht. Aber um meinen Eindrücken einen weniger theoretischen Unterbau zu geben, sollte ich jetzt endlich mal zu meinem konkreten Schulaltag am Cégep kommen:

Ich bin im voruniversitären Sprachenprogramm des Cégeps Régional de Joliette gelandet - und das ist ein großes Glück! :-) Meine neue Arbeitsstelle und die damit verknüpften Erfahrungen sind noch sehr jung und ich habe erst seit relativ kurzer Zeit Kontakt zu den Studierenden. Natürlich ist zu Beginn noch alles ganz toll und man schaut verzückt und mit rosaroter Brille auf die kommende Zeit als monitrice d'allemand (so meine "Berufs"bezeichnung auf Französisch). Aber ich glaube daran, dass der erste Eindruck zählt ;-) oder zumindest daran, dass ein guter Start in den Beruf oder eben das Praktikum nicht unbedingt trügerisch sein muss.

Marilène betreut insegsamt drei Deutschklassen, zwei Gruppen auf dem Niveau "Allemand I" und eine Gruppe "Allemand III".
Die Studierenden haben ein bis zwei Mal pro Woche bei ihr à 2 bis 3 Stunden Unterricht. Alle 2 Wochen halte ich selber eine der Unterrichtsstunden, also insgesamt 3 Mal je nach Niveau. Parallel dazu habe ich an drei von Woche zu Woche wechselnden Tagen "Sprechstunde" mit den Studierenden. Ich habe ein eigenes Büro (ja, wirklich - freudige "AH"s und "OHs" sind an dieser Stelle deutlich erwünscht! :-)) in dem sich über die Jahre ein reichhaltiger Fundus an Deutschlandkarten, Landeskundematerial, Poster vom Goethe-Institut und deutschen Städten, Deutsch-Lehrbücher und Basteleien sowie inwzischen zahlreiche Steckbriefe "meiner" Studierenden angesammelt haben.

Für die alle die das Programm nicht kennen: als Fremdsprachenassistentin ist es meine Rolle, als Muttersprachlerin die deutsche Sprache und Kultur wie eine Art "Botschafterin" zu vertreten. Konkret heißt das: ich soll die Studierenden dazu animieren, möglichst oft und viel Deutsch zu sprechen und ihnen Deutsch lernen und Deutschland schmackhaft machen. An meiner Bürotür hänge ich in regelmäßigen Abständen die möglichen Termine für meine Sprachstunde (eigentlich ein Tippfehler, aber in der Tat: meine Sprechstunde ist eine SPRACHstunde :-) aus, meist zwischen 10 Uhr bis etwa 16 Uhr, außer ich bin an besagtem Tag zu bestimmten Zeiten im Unterricht bei Marilène - diese Terminzeiten werden dann durchgestrichen.

Ein Treffen dauert 45 Minuten und in dieser Zeit kommen die Studierenden entweder einzeln oder in Gruppen und wir besprechen z.B. die deutschen Personalpronomen, ich frage Vokabeln ab, wir üben wie man sich im Deutschen vorstellt, wie man seinen Namen buchstabiert (Aussprache - Unterschiede zwischen dem frz. und dt. Alphabet - ganz schön tricky am Anfang!), wir lernen wie Obst- und Gemüsesorten auf Deutsch heißen, was der Schornstein oder andere Teile des Hauses in dieser noch neuen und so exotischen Sprache namens Deutsch sind und wie die Zahlen heißen sowie noch vieles mehr. Dabei ist zu beachten dass ich eben NICHT für die Grammatik des Deutschen, zumindest nicht hauptsächlich und wenn dann eher "passiv", zuständig bin. Als Nicht-Germanistin sind meine Grammatikkenntnisse was das Deutsche betrifft doch auf einem recht rudimentären Stand geblieben - sprich: für tiefergehende grammatische Fragen ist Marilène zuständig und es wäre sowieso auch "leicht" kontraproduktiv wenn ich mich als Assistentin mit Feuereifer darauf stürzen würde, den Studenten meine Auffassung von deutscher Grammatik beizubringen. Ich würde ihnen eventuell grammatische Phänomene erklären, die sie auf einem bestimmten Stand noch garnicht beherrschen können oder sollen (diejenigen langweilen sich dann im Unterricht) oder es würde die komplette Verwirrung aufkommen, wenn ich den Akkusativ in allen Verwinkelungen erkläre (falls ich das könnte ;-)) und Marilène hingegen gemäß des Schulbuchs so, wie es dem pädagogischen Konzept des Buchs und Unterrichts entspricht -ergo wären Szenen à la "Aber die Assistentin hat uns das ganz anders erklärt!" vorprogrammiert und das wollen weder ich, Marilène oder das MELS ;-).

Summa sumarum achte ich also sehr darauf den Studis klar zu sagen, dass ich zwar Muttersprachlerin bin, aber kein wandelndes Grammatikbuch und dass ich *blinkende Lämpchen* vor allem für die Aussprache und Konversation zuständig bin. Bisher hat das super geklappt und die Studis sehen mir auch nach, wenn ich in meiner Sprechstundenvorbereitung noch nicht so 100% perfekt bin und manches der von mir ausgedachten Spiele noch nicht ganz so wie geschmiert läuft. Ja, die Spiele, das hätte ich fast vergessen: meine Sprechstunden sind da, um natürlich gaaaaaaaaanz viel Deutsch zu sprechen, aber vor allem sind sie dazu da, um die Studierenden in lockerer Atmosphäre dazu zu bringen, zu sprechen und S-P-I-E-L-E-R-I-S-C-H Deutsch zu entdecken. Für die Studierenden ist es obligatorisch, im Semester insgesamt 4 Mal in meine Sprechstunde zu kommen. Ich trage die Namen in eine Liste ein und gebe sie dann Marilène, es gibt aber keinesfalls eine Note dafür, dass man mit mir Deutsch sprechen übt. Okay, der obligatorische Charakter ist zwar da, aber dennoch ist bisher kein Student mit hängender Unterlippe, giftigen Bemrkungen oder hasserfülltem Blick ;-) und "Kein-Bock-Einstellung" zu mir gekommen. Ganz im Gegenteil, alle Studenten waren richtig Herzles, offen und teilweise auch kleine Kasper, immer zuerste ein wenig schüchtern (sehr niedlich) und einfach nur sehr, sehr nett (wie die Québecer im Allegemeinen eben).

Ich versuche sowieso, das Ganze so angenehm wie möglich zu gestalten, biete deutsche Gummibärchen und Lakritze (danke Haribo ;-)) an und mache viele vielleicht sprachlich noch nicht ganz korrekte aber deshalb vielleicht um so witzigere Späßchen auf Französisch. Und die Studis sind darauf bisher sehr gut "angesprungen", haben immer toll mitgemacht und mir bei manchem Wort geholfen, dass ich im Französichen nicht wusste.


Klar klingt das doch sehr kindisch, wenn man sich beispielsweise vier ausgewachsene Kerle um die 18 vorstellt, die mit dem deutschen ABC - Song (siehe youtube) einen Mords - Spaß haben (kein Witz, ich habe selten mittags um halb 2 so viel gelacht :-D). Aber dann versteht man, dass etwas noch so kindisch erscheinen kann, wenn es spielerisch Sprache mal so vermeintlich "ganz nebenbei" vermittelt und effektiv ist und den Studis Deutsch näher bringt - why not?! In meiner restlichen Zeit im Büro denke ich mir immer neue Methoden aus, mit welchen Spielen (Domino, Memory, Schiffe versenken mit Verben etc.) ich den meinen Studierenden offerieren kann - und dabei ist der bereits vorhandene beachtliche Grundstock an Arbeitsmaterialien und Spielen, den die anderen Assistentinnen hinterlassen haben, eine mehr als große Hilfe.

Meine Sprechstunden bringen mich thematisch nun zu den Studierenden selbst und zu ihrer Einstellung zum Sprachenprogramm. Im Sprachenprofil besuchen die Studierenden Englisch-, Spanisch- und Deutsch- Kurse. Englisch wird auf einem weitaus höheren Niveau als die anderen beiden Sprachen unterrichtet, natürlich auch weil man von Kanadiern eigentlich eine gewisse Zweisprachigkeit erwarten würde, da Englisch in den anderen kanadischen Provinzen gesprochen wird und Englisch proeminent in den Medien ist (alle englischsprachigen, kanadischen wie amerikanischen Fernseh- und Radiostationen werden natürlich auch im Québec empfangen). In der Realität sprechen nicht wenige Québécois nicht so gutes bis kaum Englisch, zumindest haben mir das einige der Englisch - Assistenten erzählt. Das ist aber nochmal eine andere Geschichte, die sicherlich auch etwas mit der Stellung des Französischen in Kanda sowie dem historisch sehr erbitterten Kampf um die Anerkennung der québecischen Identität und Sprache gegenüber des dominierenden Einfluss des Englischen (siehe britischer Einfluss auf das Québec - Frankreich hat 1759 seine Kolonie an die Briten verloren) bis in die Gegenwart (Thema Volksreferenden '89 und '95 - separatistische Bestrebungen der Provinz Québec - ...) zu tun hat.
Jedenfalls beeindrucken mich sowohl die Unterrichtsmethoden als auch die sehr motivierte Einstellung der Studierenden zum Deutschen. Es wird viel mit dem "Smartboard" einer quasi "interaktiven" Tafel sowie mit Programmen im Sprachlabor gerabeitet (man sitzt mit Kopfhörern am PC und spricht Dialoge nach und/ oder nimmt seine Antwort auf). Der Kontakt zwischen Lehrern und Schüler ist sehr freundschaftlich, vielleicht aufgrund des Alters und der generell lockererern Umgangsweise untereinander (man duzt sich sehr schnell und ganz selbstverständlich, so z.B. duzen auch die Studierenden Marilène) weniger "autoritär" - was aber der Arbeitsatmosphäre meiner Meinung nach nur zu Gute kommt. Marilène gibt sich große Mühe, damit während des Unterrichts ein ständiger Dialog zwischen ihr und den Studierenden herrscht und jeder zumindest einmal zu Wort kommt - Frontalunterricht habe ich noch nie erlebt und ich finde, Marilène macht das nicht nur pädagogisch sondern auch zwischenmenschlich (und eigentlich sollte man das Pädagogische vom Zwischenmenschlichen, vom persönlichen Kontakt zu den Studierenden doch auch nie trennen, nicht wahr? - es gehört für mich klar zusammen) hervorragend.

Ich muss in diesem Kontext daran denken, wie uns an einem DaF (Deutsch-als-Fremdsprache)-Seminar an der Uni gesagt wurde, dass es in vielen Ländern unmöglich ist, etwas zu verkaufen (sei es im Geschäftsleben etwas als Händler verkaufen oder sei es als Lehrender Wissen zu "verkaufen") ohne mit seinen Kunden bzw. mit seinen Schülern eine persönliche Beziehung, eine persönliche Ebene aufzubauen. Nein, nicht wie man jetzt gleich irrtümlich denken könnte (ich höre die Unkenrufe der Moralwächter), eine persönliche Ebene die über eine professionnelle Beziehung hinausgeht. In der Tat, es ist schwierig eine besagte persönliche Ebene einzugehe und dennoch seine Distanz und seine Privatsphäre als Lehrkörper zu wahren. Aber Marilène gelingt das wunderbar und die Studierenden akzeptieren diese Balance auch wie von alleine und ganz selbstverständlich.

Viele sind sehr interessiert am Deutschen und ich wurde bereits zu Beginn meiner ersten Woche drei Mal von Studierenden gefragt, ob sie selbst auch an einem Austauschprogramm ähnlich dem meinigen jetzt teilnehmen könnten (es ist möglich: das MELS schickt jedes Jahr einige Québecer nach Deutschland). Marilène hat ja selbst auch vor Jahren als Fremdsprachenassistentin in Kaiserslautern verbracht und spricht sowohl dank dessen aber auch aufgrund ihres ständigen Antriebs, sich zu verbessern und Neues zu lernen (fleißiges Bienchen :-)) sehr gutes Deutsch. Schon die Anfänger sprechen meiner Meinung nach erstaunlich gut Deutsch und sie geben sich große Mühe mit der doch sehr sperrigen Aussprache des Deutschen. Klar, dem einen liegt Deutsch mehr, dem anderen weniger. Es gibt Studierende, die quasi als Hobby Deutsch autodidaktisch begonnen haben zu lernen und auch in ihrer Freizeit deutsche Musik ("Wir sind Helden" :-)) hören und im Unterricht meist schon übers Ziel hinausschießen und es gibt solche, die sich mit dem Deutschen nicht so ganz anfreunden können - aber auch die geben sich sichtliche Mühe. Zumindest ist das der Eindruck, den ich bisher sowohl in den Klassen als auch im Gespräch mit den Studis in meinen Sprechstunden gewonnen habe. Und da fragt man sich doch: wir sind 1000ende von Kilometer entfernt von diesem für kanadische Geographie - Verhältnisse Mini-Land mit dieser für Frankophone nicht besonders leicht zugänglichen Sprache. Warum sollte jemand freiwillig dann Deutsch lernen! :-) Man staunt als Deutscher Bauklötze wenn man hört wie stark sich manche Studierende für unsere Sprache und Kultur interessierten und wie sehr sie sich reinknien, um uns zu verstehen. Das deckt sich auch mit dem was Nina und andere vom MELS uns gesagt haben: erst mal ist man geradezu "geschockt" wie interessiert die Schüler oder Studierenden an Deutschland und Deutsch sind.

In meiner ersten Unterrichtswoche habe ich mich in allen drei Gruppen vorgestellt und eine etwa halbstündige Präsentation zu Tübingen gehalten. So richtig aufgeregt war ich nicht und die Studenten waren auch sehr offen und interessiert, ich glaube mir ist es gelungen sehr offen und direkt auf alle zuzugehen (gilt auch für ein paar Jungs, die meinten sie müssten in der letzten Reihe einen auf cool machen ;-)) und Marilène hat mir sehr bereitwillig geholfen, wenn ich mal ein Wort nicht auf Französisch wusste - ich hab die Präsentation über Tübingen frei gehalten und wollte mir keine Karteikarten schreiben. Schließlich sollte das kein zweistündiger Monolog über Tübingen und seine historischen Sehenswürdigkeiten werden. Ich wollte mit den Studierenden ins Gespräch kommen und erst mal einen guten Kontakt herstellen. Deshalb bin ich auch nur sehr oberflächlich auf die historischen Sehenswürdigkeiten in Tübingen eingegangen. Viele der Studierenden in der Anfänger-Stufe kennen z.B. das Brandenburger Tor oder Goethe & Schiller noch nicht. Wir als Europäer möchten uns jetzt arrogant an die Stirn klatschen und den Kopf schütteln, ich tue dies aber keinesfalls und strafe jeden, der dies tut, mit einem bösen Blick à la Klaus Kinski in "Fitzcarraldo". Wer von euch da draußen weiß auf Anhieb wer Jacques Cartier ist oder wie die québecische Fahne aussieht und welchen Namen sie trägt* (* fleurdelisé)? ;-)

Was ist noch so passiert? Lauren, eine der irischen Assistenten, ist in unsere "auberge" neu eingezogen. Sie spricht tolles Französisch, arbeitet an einer école secondaire in Rawdon (sprich auf québécois: Row-dÜn" - ich hoffe ich konnte es phonetisch einigermaßen transportieren :-)) und ich soll ihr dabei helfen, ihre verschütteten Deutschkenntnisse wieder aufleben zu lassen - toll! :) Außerdem haben wir "auberge"-Bewohner bereits einige "hot spots" ;-) des Jolietter Nachtleben erkundet. Sehr zu empfehlen ist "L'Alchimiste", eine kleine symphatische Bar, in der man schon mal ne Runde shots aufs Haus bekommt, begleitet von einem freudig hinausgeschrieenen "Bienvenue à Joliette" seitens der Kellnerin, wenn man sagt dass man neu in der Stadt und Austauschstudent ist :-)! Am letzten Freitag war dort zufällig eine Montréaler Band und hat live gespielt (Name: "Tropic D").

Dieses Wochenende waren zahlreiche "colocs" (frz. WG-Bewohner) ausgeflogen, Karla und Lucie waren mit Angélica bei Claire (Angélicas Vermieterin, wohnt mit ihr im Haus) auf deren "chalet" (Ferienhaus) und Ed bei Freunden in Montréal. Lauren, Catiy und ich waren gestern Abend im "Le Balthazar" - sehr zu empfehlen! Gechilltes lounge-Ambiente, aber weder zu snobistisch noch zu alternativ oder abgehoben. Einfach gediegene Enspannung in einem netten Ambiente mit tollem Bier und Cidre ;-), jungem Publikum und toller Musik. A refaire!

Dank "Burkley's", eines sowohl gewöhnungsbedürftig schmeckenden (Marilène und andere hatten mir vor der Einnahme sogar gesagt, es würde ekelhaft schmecken - ich sage: mit etwas Fantasie und verdünnt schmeckt es wie Jägermeister ;-)) als auch effektivien Hustensafts, bin ich meinen Grippeanfall Gott sei Dank los. Meine Kollegen am Cégep waren aber alle drauf und dran krank zu werden, mittlerweile scheint die Grippewelle gebannt.

Auf den Fotos (von unten nach oben): Das Cégep - mein Büro - mit dem Mexikaner Ursus, Spanischlehrer und résponsbale von Angélica beim Semester-Anfangs-Festle des Sprachprgramms - stolze Deutschlerner ;-)


Montag, 30. August 2010

Von Montréal nach Joliette

Zeit, die letzten Tage zu rekapitulieren! Ich sitze gerade in meinem Zimmer im schönen Joliette http://www.ville.joliette.qc.ca/ - "schön" gleich im zweifachen Sinne, denn die Woche über ist und wird es draußen sommerliche 30 Grad warm sein (ein skype-Telefonat mit Muttern hat ergeben, dass in Deutschlands Süden gerade erfrischende 8 Grad herrschen ;-)).

Angekommen in Joliette bin ich am Freitag, den 27.08.10, gegen 17 Uhr nachmittags, zusammen mit Angélica, einer der mexikanischen Sprachassistentinnen. Joliette liegt in einer der 17 Verwaltungsregionen Kanadas, im québecischen Lanaudière und ist eine von insgesamt sechs zu Lanaudière gehörenden regionalen Grafschaftsgemeinden. Der Name der Stadt geht übrigens auf den Notar Barthélemy Joliette zurück:
http://www.ville.joliette.qc.ca/histoire.html.

Die drei Tage zuvor habe ich mit rund 60 anderen Sprachassistenten und -assistentinnen aus Mexico, Irland, GB, Frankreich und Deutschland im "Quality Hotel Dorval" in der Nähe des Pierre Elliott Trudeau Flughafens Montréal (benannt nach dem liberalen kanadischen Premierminister (1986 - 1984) Pierre Trudeau (1919 - 2000)) verbracht. Die Einführungstagung wurde von einem der Träger des Fremdsprachenassistenten - Programmes, dem MELS (Ministère de l'Éducation, du Loisir et du Sport -
http://www.mels.gouv.qc.ca/ ) organisiert.

Nach meinem einstündigen Flug von Toronto nach Montréal musste ich erstmal eine halbe Ewigkeit auf den Shuttlebus warten, der mich wie am Telefon verabredet zum Hotel bringen sollte. Noch während ich mich darüber ärgern wollte, dass ich bestimmt als einzige zu dem auf 18 Uhr angesetzten Abendessen mit allen Assistenten ankommen würde, tauchten mehrere eben so schwer wie ich bepackte junge Gesichter an der Haltestelle auf - et voilà, andere Deutschassistenten! Gemeinsam fuhren wir schließlich ins Hotel und bezogen unsere komfortablen Zweibett-Suiten.


Auf uns wartete ein leckeres Abendessen sowie ein paar "brise-glace" (dt. "Eisbrechen") - Kennenlernspiele, um einander ein wenig "beschnuppern" zu können. Uns wurde frei gestellt, trotz vereinzelter Jet-Lag-Symptome und/ oder genereller Müdigkeit noch gemeinsam mit den "Moderatoren" der Veranstaltung - Nina (Deutsche und in Québec lebend) und Andy (Engländer und in Québec lebend) in das nächsgelegene "Centre de quilles" (frz. quille (f). - der Kegel) zu gehen um dort zu bowlen. Ich bin noch mitgegangen und habe wohl den schlechtesten Score von allen eingeheimst - aber auch das war lustig ;-).

In den nächsten Tage wurden wir mit Infos und Geschenken überschüttet - ein Pullover, eine Trinkflasche sowie eine Tasche mit der Aufschrift "Assistants de langue, Québec 2010-2011" sowie Hefte mit Unterrichtsentwürfen unserer Vorgänger als auch ein anderes mit allerhand Tipps zum Leben im Québec (Bankkonto eröffnen, Mietauto leihen, etc.), dazu noch Broschüren über kulturelle Veranstaltungen im Québec, Ideen zur Freizeitgestaltung, ...


An einem Abend waren wir in Montréal in einem Pub und konnten dort durch Ansteck-Buttons billiger Getränke bekommen. Ich habe mir mit Sou (einer der niedlichsten Französinnen die ich jemals gesehen habe, sie kommt aus Metz) einen großen "Salada grecque" geteilt. Am letzten Tag gab es für die Deutschen noch einen vom Goethe-Institut Montréal organisierten Workshop und mittags kamen bereits unsere résponsables - die für uns zuständigen Betreuungslehrer. Marilène, meine résponsable, war leider zeitlich verhindert, vertreten wurde sie von ihrer Kollegin Jocelyne.
Jocelyne ist eine sehr dynamsiche und junggebliebene Mitsechzigerin, mit der Angélica und ich uns sehr locker und humorvoll unterhalten konnten. Auf der Fahrt nach Joliette wussten wir noch nicht, dass der Freitag Jocelynes 59. Geburtstag war - später sollte sie uns noch nach Hause zu sich einladen und dort mit einer Runde Sekt ihren Ehrentag feiern.

Wir werden uns sowohl als gesamte Fremdsprachenassistenten - Gruppe als auch nur die deutschen Assistenten für sich während der Programmlaufzeit mehrere Male treffen, mindestens zwei bis drei Mal wenigstens. Zum einen um gemeinsam Québec zu erkunden, sich wiedersehen und auszutauschen, zum anderen auch um das ganze Programm aber auch sich selbst als "Lehrkraft" zu bewerten.


Beispielsweise sind für Anfang und Ende Oktober bereits Veranstaltungen angekündigt. Voraussichtlich am ersten Oktoberwochenende werden wir nach Tadoussac, einer kleinen Ortschaft an der Mündung des Saguenay-Fiords, fahren um dort Wahle zu beobachten, Kanu zu fahren und/ oder zu raften und Ponys auf einer Farm zu gucken ;-). Und am letzten Oktoberwochenende wird in Montréal ein "Evaluations"-Treffen stattfinden, wo wir uns über unsere ersten Eindrücke und evenutelle Probleme sowie Unterrichts-Tipps austauschen können. Das MELS arbeitet wirklich hervorragend mit dem PAD zusammen, ich bin bisher sehr beeindruckt.

Angekommen in Joliette habe ich erst mal meinen schrankartigen Koffer in meiner neuen Behausung geparkt und auch gleich Francosie, meine Vermieterin getroffen, die sehr freundlich und mütterlich ist. Sie hatte für die gesamte WG den Vorratsschrank schon ein wenig gefüllt - fürs Frühstück standen dort Mini- Croissants, Pains au Chocolat, Konfitüre und Brot sowie Kakao und Tee bereit. Sie meinte, sie habe selbst zwei Kinder die auf ihren Reisen im Ausland in allen möglichen Absteigen unterkommen mussten - das ist auch ein Grund warum sie es uns in der Rue Notre Dame gemütlich machen wollte, wenn wir ankommen. Trop gentil!
Ich wohne mit zwei Mexikanerinnen (Karla und Lucie), einem Engländer (Ed) und einer Engländerin (Catie) zusammen - tous très sympas!:)

Am Freitag ging es dann mit Angélica weiter zum Cégep, wo die hinreißende Marilène bereits auf mich wartete. Ich mochte Marilène auf Anhieb und in den nächsten Tagen sollte sich dieser erste spontane Eindruck nur noch verstärken. Angélica hat die ersten paar Tage bei Marilène gewohnt bevor sie nun eine Wohnung in Joliette gefunden hat. Wir beide und letztlich auch meine Mitbewohnerinnen wurden von Marilène zum Essen eingeladen, qir haben zusammen gelacht, uns toll unterhalten, waren einkaufen... nach diesem Wochenende fühle ich mich so, als würde ich Marilène schon seit Jahrzehnten kennen.

Hier geht gerade die Mais-Saison (québécois: blé d'Inde) zu Ende, wovon meine Mitbewohnerinnen sowie Marilène und ich profitiert haben um noch ein paar letzte köstlich süßlich schmeckende Maiskolben zu verspeisen. Und dies im Rahmen einer soirée entre filles (Mädelsabend), inklusive mexikanischer Musik, sowohl dank youtube als auch "life" mit Karlas Engels-Stimme und ihrem Gitarren-Spiel, Cumbia- Tanz(versuchen) [http://de.wikipedia.org/wiki/Cumbia]und mexikanischem Essen (Mais à la Limmette'n Salz sowie Tortilla gefüllt mit einer Mischung aus Hackfleisch und Gemüse). Meine und Marilènes erste Cumbia - Schritte sowie die engelhaft Gitarre-spielende und singende Karla sind auf Videomaterial festgehalten - trop cool! :D

Als Nachtisch gab es roten Wackelpudding mit Mini-Physalis (cerises de terre). Besonders die cerises de terre waren eine Neu- oder besser gesagt Wiederentdeckung für mich. Sie sind nicht nur als Tisch- oder Nachtischdekoration nett, sondern auch ihr intensiver Geschmack hat mich sehr begeistert - kann ich nur weiterempfehlen!

Übrigens: Eines meiner Liebelingsgebäude ist die unweit von meinem Wohnort liegende Stadtbibliothek, eine vormalige Kirche, auf deren Glockenturm nun Buchstaben prangen:
http://www.biblio.rinalasnier.qc.ca/ .

Mein neuestes Wort, das ich von Marilène gelernt habe:
quétène - québécois für "kitsch"/ "schlechter Geschmack".

Hier in Joliette ist große "rentrée des classes" angesagt - also der Schul-/Studien(neu)anfang überall. Sowohl Supermärkte als auch Papeterien und Modeboutiquen schreiben sich jetzt auf die Fahnen, jeden Schüler/ Studenten zu Beginn des besagten Ereignisses als Star seines Jahrganges dastehen lassen zu können - sei es dass man die tollsten Klamotten trägt oder den angesagtesten neuen Rucksack hat. Freitag werde ich wohl zum ersten Mal unterrichten - mal sehen wie die "lieben Kleinen" ;-) so drauf sind.

Donnerstag, 26. August 2010

Von den Niagarafällen nach Toronto

Dienstag, 24.08.2010, Programm: 1- Tages-Trip zu den Niagarafällen und weiter nach Toronto! Es ist mein letzter Tag bei Lia und Peter, am Tag darauf soll es mit dem Flieger von Toronto nach Montréal gehen, wo Vertreter des Ministère de l'Éducation, du loisir et du sport - kurz MELS - in Kollaboration mit dem PAD die anderen Assistenten und mich begrüßen werden.

Los ging es also am frühen Vormittag mit einem Freund von Lias Sohn Denis, zu den von London mit dem Auto etwa zwei Stunden entfernt liegenden Niagarafällen an der Grenze zwischen Kanada - Ontario und dem Bundesstaat New York. (Dementsprechend gibt es sowohl die US-Stadt "Niagra Falls" als auch die gleichnamige kanadische Stadt.) Von der 401 und dann weiter auf die 403 geht es zu den donnernden Wassermassen, während der Fahrt probiere ich mein radebrechenes Englisch etwas aus ;-) und Lakin, der Freund von dem ich spreche, gibt sein charmantes Englisch akzentuiretes Französisch zum Besten. So vergeht die Fahrt mit beiderseits bemühter Konversation, unterbrochen von einem Döse-Anfall meinerseits auf halber Strecke.

Übrigens liegt nicht weit entfernt von Niagra Falls das nicht damit zu verwechselnde Niagra-on-the-Lake, ein ca. 14.500- Seelen- Ort das am Lake Ontario, an der Mündung des Niagara River liegt. Der Niagara-Fluss grenzt die Niagara-Halbinsel östlich ab und verbindet den Ontariosee mit dem Erisee. An der Stelle, die wir Niagarafälle nennen, stürtzt genau dieser Fluss 58 Meter auf berauschend tosende Weise gen Unendlichkeit.

Endlich angekommen! Bevor Lakin und ich an der Uferpromenade des Touristenörtchens Niagra Falls entlanggehen, um uns dem wuchtigen Schauspiel zu nähern, besehe ich mir den natürlich sehr auf Touristen ausgerichteten Ort. Die Merchandising-Mschinerien laufen auf Hochtouren und die hoch in den Himmel ragenden Hotelgebäude plustern ihre Betongerüste auf um die Touristenscharen zu beherrbergen, denen - neben der vor der Türe vor sich hin stürtzenden Naturgewalt - allerhand Bühnenshows, ein Casino und dergleichen Späße mehr zur Verfügung gestellt werden.

Nahe des Parkplatzes, an dem Lakin hält, ist ein botanischer Garten mit wunderschönen Pflanzen und Schmetterlingen, durch den wir aus Zeitgründen nur durchhuschen. Dann 15 Minuten Ufer-Hopping, leider gibt meine Digitalkamera den Geist auf, aber ein paar gute Einstellungen sind noch drin. Da hat wohl entweder jemand was nicht richtig verstanden und dieser jemand bin leider ich oder irgendwas stimmt mit dem Zusammenspiel Akku-Aufladegerät und Stromspannung hier nicht - warum sollte sich meine Digicam nach nächtlichem Langzeitaufladen sonst so schnell verabschieden? Anyway, weg von dieser philosophischen Frage hin zu der Lösung des Problems: wir nehmen die "Fish-Eye"-Kamera, ein kleines Spielzeug für große Jungs, das eigentlich Denis gehört. So komme ich doch noch zu ein paar zugegeben rudimentär ;-) wirkenden Eindrücken meines Zielortes, man möge mir und meinem behändenen Freund jedoch die in ihrer Unbeholfenheit geradezu erfirschenden Fotos verzeihen - wer ist im heutigen Digitalzeitalter noch den Geduld erfordernden Umgang mit Nicht-Digi-Kameras gewohnt? :-)

Auf dem Weg vorbei an der Uferpromenade hinüber zu einem Pavillon mit Souvenirs werden wir pitschnass von dem herüberwehenden Wasser. Die Fälle sind gigantisch und ich genieße den Ausblick. Mich auf eines der Boote zu begeben, das Touristen ganz nahe an die Fälle bringt - dafür fehlen sowohl die Zeit als auch die dafür nötige Einstellung meinerseits, zu viel Geld für touristischen Schnickschnack auszugeben. Bei den Postkartenständen im Inneren des Pavillons werde ich dann aber doch schwach. Ein fluchser Großeinkauf Postkarten samt passender Übersee-stamps, damit für das seelische Wohl der Daheimgebliebenen gesorgt sei, und weiter geht es schon Richtung TORONTO *glitzernde Augen*.

Leider reicht die Zeit nur noch für eine sehr schnelle Sight-Seeing Tour durch die Downtown-Gegend. Toronto ist eine pulsierende Stadt, von der ich in der Schnelle nur einen kurzen, in meinem Kopf durchrauschenden D-Zug an Farben, Geräuschen, Sprachfetzen und Bildern mitnehmen kann. Abends: Treffen mit Denis und ein paar seiner Freunde. Wir essen in einem indischen Restaurant und begeben uns nach einem kleinen Spaziergang entlang einiger Häuserblöcke, kleiner Restaurants und das nächtliche Leben atmenden Boulevards zu einem Coffeshop.

Ankunft in London nachts: es ist 2 Uhr morgens. Ich schreibe noch elanvoll bis 3 Uhr Postkarten um meine nuptiale Hyperaktivität auszusaugen - was sich am nächsten Morgen mit Katerstimmung bezahlt macht. Ich stehe um 7 Uhr auf, wasche noch ein paar Sachen und jage sie durch den Trockner. Noch warm werden sie in den bereits etwas lädierten Reisekoffer geschmissen, ein "Robert-Q-Bus" bringt mich zum Flughafen Toronto.

Erkenntnis am Flughafen: Im Gegensatz zu London, GB, wo Wifi an öffentlichen Orten so rar hervorzulocken ist wie ein verschüchtertes kanadisches Eichhörnchen aus einer Mauerritze, und einem jedwede Anwandlung, unbedingt mit den lieben daheim- und nicht-daheim-Gebliebenen via Datenautobahn in Kontakt bleiben zu wollen teuer zu stehen kommt (ich sage nur: 6 Pfund für 1 h), ist Kanada DAS Land des drahtlosen und kostenlos an öffentlichen Plätzen zur Verfügung stehenden Internets. Sei es Sturbucks oder eben der Flughafen Toronto - freies Internet so viel das Herz begehrt.

Gegen 4 Uhr nachmittags heißt es dann: Leinen los, bye Toronto - Québec ich komme!

Freitag, 20. August 2010

London Heathrow







Ein paar letzte Stunden zusammen bevor es hinaus in die grosse weite Welt geht (unterstes Foto). Ein wenig Speed-Sightseeing und eine ausserplanässige Übernachtung in einem wunderschönen Hotel in Flughafennähe (Rennaissance Hotel - lange Geschichte :-)) und einer Spontanumbuchung direkt nach Toronto (ebenfalls lange Geschichte), beides auf Kosten meiner Fluglinie - und dann nach ein paar letzten Umarmungen (O-Ton Security-Guy, der vor uns stand: "Bekomme ich auch einen Kuss?" :-)) ab in Richtung Toronto.



Nach dem check-In erst mal Suche nach Gate B36 und einige Minuten später sitze ich in dem Flieger, der mich nach Toronto bringt. Planmässiges landen nach etwa 7 Stunden Flug (Zeit tod schlagen durch on-Bord-Schmackofatzen, Filme schauen, Britische Glamour oder "Le parler québécois pour les nuls";-) lesen). Ich war so angespannt, müde, dass ich garnicht mehr heulen konnte.
Schliesslich Ankunft in Toronto, ein schier endloser Weg durch 1000 Korridore bis zum Check-In, erstes Zusammentreffen mit einem kanadischen Beamten im immigration bureau - Wisch ist drin, weiter gehts!

Treffen mit Lia und Peter Grigoras, Lia ist Mamas Jugendfreundin und beherrbergt mich 5 Tage in London (ON). Aussentemperatur 25 Grad, 2 Stunden Fahrt nach London. Ich wundere mich dass mir das Smalltalken so leicht fällt und dazu auch noch in gutem Englisch (für das ich ein Kompliment von Peter bekomme). Sogar das Parcours-Hin-und Her-switshen von Englisch (Peter & Lia) auf Rumänisch (Lia & Peter), auf Französisch (Lia) und wieder zurück lässt sich erstaunlich gut meistern, obwohl ich eigentlich hundemüde bin, mir heiss ist, mir bei er Fahrt auf der Rückbank von dem Chickensandwich an Bord droht schlecht zu werden und ich mich konzentrieren muss um gleichzeitig zu smalltalken, meine neue Umgebung zu begutachten und mit dem Summen und Schwindel in meinem Kopf zurecht zu kommen. Erkenntnis: ich kann es anscheinend schaffen auch im Ausland nach einiger Anstrengung sprachlich katzenhaft auf die Pfoten zu fallen. Wo die sprachliche Eleganz fehlt, helfen Emphase in der Stimme und ein wenig komischerweise nun abrufbare Sicherheit. Vielleicht liegt es aber auch daran dass Lia und Peter schnell das Eis brechen und ich mich mit meinem Englisch hier etwas sicherer fühle als im messerscharfen UK-English, das zwar absolutely sexy ist, aber bei dessen Aussprache ich mich ohne passenden British accent fühle wie der Bauerntrampel schlechthin.

Komisch, ich hatte mir vorgestellt ich wäre gerade an dem Punkt als ich in Toronto aus dem Flieger steige wohl am Verheultesten und am Ende. Aber die Anspannung machts: wenn das innere Steinzeit-Weib erst mal den Bison erlegen muss(= jahrmillionen später Gate suchen -> rechtzeitig in den Flieger -> aussteigen und durch den ersten Check-In samt Visums-Eintragung in neuen Gefilden -> Lia udn Peter suchen -> Smalltalken & Mundwinkel glaubhaft freundlich nach oben bewegen), dann schiebt die Grossstadt-Amazone den Jammer-Drang kurz mal entschlossen beiseite.

Und nun? Ich sitze jetzt in einem wunderschönen eigenen Gästezimmer mit eigenem Bad - und, lebenswichtig:-), begehbarem Kleiderschrank!:) Mal sehen was der morgige Tag bringt...

Mittwoch, 11. August 2010

Bald geht es los...

Am Mittwoch Nachmittag, 18.08.10, geht es los in Richtung Kanada - Québec! Über London (GB) nach Montréal, weiter nach Toronto und schließlich London (CA - Ontario), wieder zurück nach Montréal und endlich ins putzige Joliette, wo meiner die fabulöse Marilène sowie eine Horde ;-) Schüler harren, die der deutschen Sprache dürsten und sie begierig aufsaugen werden - zumindest theoretisch :-). Da bleibt nur noch zu sagen:
Du courage avant tout!



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